Fiona mit Cascade Duffle Coat vor frostigen Bäumen
Nähen für Große

Cascade Duffle – mein Mammutprojekt

Fiona mit camelfarbener Cascade Jacke

Ist es nicht bemerkenswert, dass man beim Nähen mit der Zeit immer langsamer wird? Je fortgeschrittener, desto langsamer – ist zumindest bei mir so. Für meine Cascade Duffle-Jacke hab ich mir jedenfalls so viel Zeit genommen, wie noch für kein anderes Projekt.

Am Anfang stand eine Jacke von Marc O’Polo, die mir unfassbar gut gefiel. Aber mein Geldbeutel weigerte sich und so kam die Idee, mich an meine erste richtige Jacke zu machen. Hier mein Inspirationsbild.

Schnittmuster

Soo furchtbar viele Schnittmuster für Dufflecoats fand ich online nicht, und so nahm ich mit den Cascade Duffle Coat von Grainline Studio als Vorlage.

Stoffe und Zubehör

Auf der Suche nach dem perfekten camelfarbenen Wollstoff wurde ich bei Metermeter fündig. Es handelt sich um einen nicht allzu schweren Mantelstoff aus 90% Schurwolle und 10% Cashmere. Die liebe Inhaberin des Shops meinte auf meine Nachfrage, sie würde den Stoff für eine Winterjacke nochmal warm unterfüttern. Wie praktisch, dass sie auch diesen wundervollen Wollstoff als Zwischenfutter im Shop hatte. Der Stoff ist total flauschig und plustert sich ein bisschen auf. Den tollen Atelier Brunette-Stoff als Futter bestellte ich auch gleich mit.

Nähprozess

Angefangen hab ich beim letzten Nähka, unserem örtlichen Nähtreffen. Das war im Oktober. Über einen Zeitraum von fünf Wochen nähte ich dann immer, wenn ich ein bisschen Zeit hatte, an der Jacke weiter. Und pünktlich zum nächsten Nähka am Samstag ist sie vor ein paar Tagen fertig geworden 🙂

Das aufwändigste und nervigste war – wie eigentlich bei jedem Projekt – das Zuschneiden. Aufgrund meiner Änderungen musste ich 32 Teile zuschneiden. Davon wurde mehr als die Hälfte noch mit Bügeleinlage verstärkt. Dann das Futter, und das Zwischenfutter… ihr versteht.

Danach ging es direkt mit dem wichtigsten Teil zur Sache: Dem Vorderteil mit den Taschen, dem Reißverschluss, der Blende und den Knöpfen. Ich wollte nicht diese typischen Knebelverschlüsse mit Lederpatches verwenden, sonder die Verschlüsse wie bei meiner Vorlage aus Kordel und Knebelknöpfen selbst machen. Ich nähte einfach drauf los und es hat ehrlich gesagt gar nicht so viel Zeit gekostet, wie ich vorher gedacht hatte. Die Kordelenden führte ich durch ein Mini-Knopfloch nach hinten, damit sie nicht ausfransen können.

Dieser Part kostete mich einen kompletten Abend. Ich verschmälerte die Schultern, nähte die Ärmel enger und blieb nach mehreren Versuchen bei einem Mini-Schulterpolster und einem Ärmelfisch aus einem dicken Wattestoff. Puh, war ich froh, als die Schultern saßen! Mir war vorher nicht bewusst, wie wichtig die Passform an den Schultern für das Gesamtbild ist.

Änderungen

Das Cascade-Schnittmuster kommt mit zwei inkludierten Versionen: einer kurzen Jacke mit Kragen und einem Mantel mit Kapuze. Ich wollte ja möglichst nah an meiner Vorlage bleiben und entschied mich, die kurze Version um 10 cm zu verlängern und Kragen UND Kapuze zu nähen. Auch der Reißverschluss war bei der kurzen Version der Cascade nicht vorgesehen. Ich kombinierte die Versionen also einfach bunt durcheinander.

Die Futterstoffstreifen, zwischen die der Reißverschluss genäht wird, habe ich mit Bügeleinlage verstärkt, damit sie mehr Stand haben.

Cascade Jacke mit Reißverschluss

Am Ärmelkopf fügte ich ein Stück wattierten Stoff als Ärmelfisch hinzu und an den Schultern nähte ich ebenfalls einen Streifen des Stoffs als dezentes Schulterpolster ein. Beides ist nicht in der Anleitung beschrieben, ich hab mir aus mehreren Youtube-Videos und vielen Blogposts Tipps dafür geholt.

Die Ärmel kürzte ich nach der ersten Zwischenanprobe um 3 cm.

Das Zwischenfutter aus der flauschigen Wolle schnitt ich nur für den Körperteil zu, die Ärmel wollte ich nicht unnötig weiter machen. Ich nähte die Schnittteile des Zwischenfutters einfach direkt auf die passenden Schnittteile des Futterstoffs, bevor ich das Futter zusammen nähte.

Die Kapuze befestigte ich ganz am Schluss mit Knöpfen unter dem Kragen der Jacke. Die Knöpfe sind an der Jacke und die Knopflöcher an der Kapuze.

Styling/ Vielseitigkeit

Leute, es ist so toll, ein so aufwendiges Teil für sich zu nähen! Ich bin so zufrieden mit meiner tollen Jacke und hab sie seitdem sie fertig ist jeden Tag getragen. Dank Zwischenfutter und dem großen Wollanteil insgesamt ist sie super warm und selbst heute bei 0 Grad bin ich damit Fahrrad gefahren und es war völlig in Ordnung.

Zu Jeans sieht sie am besten aus, Kleider und Röcke gefallen mir darunter nicht so gut. Aber dafür hab ich ja andere Jacken bzw. Mäntel 😉

Fazit

Es war ein tolles Erlebnis. Das langsame Nähen ohne jeglichen selbst auferlegten Zeitdruck hat wirklich total Spaß gemacht. Und vor allem war es toll, sich in die Details reinzufuchsen. Die Schulter-Sache war natürlich super nervig, aber als ich die Lösung gefunden hatte war ich umso stolzer. Ich kann mir gut vorstellen, mir irgendwann noch einen Cascade-Mantel zu nähen.

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